
Im Rahmen einer Pressekonferenz im kleinen Saal des Pro-Winzkino Simmern wurde am 1. Juli das Programm der HEIMAT EUROPA Filmfestspiele vorgestellt. Vom 7. bis 22. August verwandeln sich der Fruchtmarkt und das Pro-Winzkino erneut in einen Treffpunkt für Filmbegeisterte. Rund 50 Filme sowie ein umfangreiches Begleitprogramm aus Musik, Gesprächen, Lesungen und Diskussionen erwarten die Besucherinnen und Besucher. Leitmotiv der achten Ausgabe ist das Kultursommer-Motto des Landes Rheinland-Pfalz: „Die Goldenen Zwanziger“.
Veranstaltet werden die Filmfestspiele vom Pro-Winzkino und der Stadt Simmern unter der Schirmherrschaft von Regisseur Edgar Reitz.
Wettbewerb „Edgar“ und internationale Filmvielfalt
Im Zentrum des Programms steht erneut der Wettbewerb um die Festspiel-Trophäe „Edgar“. Die Programmkommission um Kurator Janis Kuhnert sowie Sandra Burmann und Peter Huth hat hierfür 13 moderne Heimatfilme ausgewählt. Alle Beiträge feiern ihre Premiere vor Publikum oder waren bislang ausschließlich auf anderen Festivals zu sehen, einige werden in Simmern sogar exklusiv gezeigt.
Die Produktionen greifen dabei aktuelle Fragen von Heimat, Identität und Zugehörigkeit auf – passend zum Festivalnamen und zur Gegenwart der „Zwanzigerjahre“. Bereits in den Titeln wird dieser Fokus deutlich, etwa in „Home“ oder „Der Heimatlose“. Der Eröffnungsfilm „Etwas ganz Besonderes“ (Originaltitel: „Home“) führt das Publikum direkt in diese Themenwelt ein.
Insgesamt stammen die Filme aus mehr als 20 Ländern und spannen einen Bogen über mehr als 100 Jahre Filmgeschichte – von Deutschland über Dänemark, Spanien und Großbritannien bis nach Georgien.
Dokumentarfilm, Family und Classics
Auch die weiteren Reihen bilden zentrale Säulen des Programms.
Die Kategorie „Dokumentarfilme“ umfasst zehn Produktionen. „Pompeji: Unter den Wolken“ porträtiert das Leben in Neapel im Schatten des Vesuvs, während „Traces“ ukrainischen Frauen eine Stimme gibt, die im Kontext des Krieges sexualisierte Gewalt und Folter erlebt haben.
Die „Classics“-Reihe widmet sich fünf Stummfilmen aus den „Goldenen“ 1920er-Jahren, die alle live musikalisch begleitet werden. So lässt etwa Christine Marx in Friedrich Wilhelm Murnaus „Tartüff“ die Stummorgel der Simmerner Stephanskirche erklingen, während Wolf Dobberthin Georg Wilhelm Pabsts „Die Büchse der Pandora“ vertont.
Sechs Beiträge richtet die „Family“-Reihe an ein jüngeres Publikum, darunter der Schweizer Film „Plitsch Platsch Forever“, in dem Kinder für den Erhalt ihres Freibads kämpfen.
Jury, Preise und Ehrengäste
Als Juror konnte in diesem Jahr der Schauspieler Rainer Bock gewonnen werden, der seit 1989 in mehr als 110 Film- und Fernsehproduktionen mitwirkte und unter anderem mit Steven Spielberg und Quentin Tarantino arbeitete. Er wird am Abschlussabend den „Edgar“ für den besten modernen Heimatfilm überreichen und zudem den vom rheinland-pfälzischen Kulturministerium ausgelobten Nachwuchspreis vergeben.
Neben dem Hauptpreis werden auch der Publikumspreis sowie zum zweiten Mal ein Preis einer Jugendjury verliehen, die die Wettbewerbsfilme aus ihrer eigenen Perspektive bewertet.
Rainer Bock ist darüber hinaus bei einer Lesung zu erleben, bei der Texte des Kabarettisten Hans Dieter Hüsch im Mittelpunkt stehen, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte.
Hommagen und Filmklassiker
Auch der „Edgar“ selbst ist Teil des Programms. In einer Hommage an Schirmherr Edgar Reitz wird der Film „Die Reise nach Wien“ gezeigt, dessen Premiere der Regisseur 1973 in den Simmerner Postlichtspielen erlebte. Teile der Produktion entstanden in Simmern, Hauptrollen spielen Elke Sommer und Hannelore Elsner. Gleichzeitig wird damit auch dem kürzlich verstorbenen Mario Adorf gedacht.
Ebenso erinnert das Festival an Alexander Kluge, der im März verstarb. Gezeigt wird der gemeinsam mit Edgar Reitz realisierte Film „In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod“ (1974).
Musik, Begegnung und Rahmenprogramm
Ein umfangreiches Musikprogramm begleitet die Filmfestspiele und greift das Motto „Die Goldenen Zwanziger“ auf – von A-cappella-Gesang im Stil der Comedian Harmonists über Gipsy-Jazz bis hin zu Swing und Blues.
Ergänzt wird das Programm durch Podiumsdiskussionen, Filmgespräche und Begegnungen mit Filmschaffenden aus Schauspiel und Regie. Erstmals werden zudem Ergebnisse von Filmworkshops präsentiert, die in Kooperation mit Schulen entstanden sind.
Der dem Pro-Winzkino angeschlossene Raum9 fungiert erneut als zentraler Festspiel-Treffpunkt mit Bewirtung, darunter Matinee-Frühstück und Brunch, und lädt zum Austausch mit Gästen und Filmschaffenden ein.
Beteiligt sind außerdem das Hunsrück-Museum sowie erstmals das Ava Arthouse, das unter anderem eine After-Show-Party im Anschluss an den Film „The Great Gatsby“ ausrichtet.
