Abschied von Alexander Kluge
Als ich Alexander Kluge eine Woche vor seinem Tod besuchte, saß er vor seinem Computer und zeigte mir, wie man die KI-Systeme in Widersprüche und Sackgassen locken kann. Er begeisterte sich über die absurden Bilder, die das überforderte System auf den Bildschirm zauberte. Sein Geist sprühte vor Spielfreude, während sein Körper kaum noch in der Lage war, sich aufzurichten. Von Schmerzen gebeugt entwickelte er in Minuten die Idee für eine gemeinsame Ausstellung über das Kino der Zukunft und die Produktion von Hunderten kleiner Filmbeispiele, mit denen wir die Medien überfluten könnten.
Als Gleichaltrige sprachen wir an seinem Arbeitstisch sitzend Hand in Hand über den Tod. Alexander war überzeugt, dass wir in den nicht-realisierten Projekten weiterleben und er wollte dringend von mir wissen, welche Filme ich bisher nicht realisieren konnte. Wenige Tage später der Tod seines Freundes Habermas. Alexander rief mich an, aber seine Stimme versagte. Die Nachricht, ein entsetzlicher Schock, hatte ihn sprachlos gemacht. Dass er so schnell hinterherstirbt, zeigt, dass da noch etwas anderes in ihm war, eine lebenslange Panik, die er nur durch eine wahnsinnige Produktivität in Schach hielt.
Alexander Kluge sehnte sich so sehr nach Freundschaft, dass er uns vollkommen verschlingen konnte. In meinem ganzen Leben habe ich keinen Menschen gesehen, dessen Geist derart über alle Grenzen springt. Mit Alexander Kluge verlieren wir einen leuchtenden Stern.
Edgar Reitz
Per Email von Edgar Reitz am 31.03.2026. Foto: Wikipedia

