Wer kennt nicht die Legende der Armbanduhr im Film Ben Hur (1959)? Dieser Filmfehler, der als Mythos und Paradebeispiel für einen Ausstattungsfehler gilt, stellte sich unlängst als unwahr heraus. Auch in anderen populären Filmen (James Bond, Hitchcock-Klassiker usw.) werden die Filmfans fündig, dort allerdings zu Recht. Das Finden von kleinen Fehlern in Filmen ist eine häufig anzutreffende Angelegenheit. Mit einem kleinen Augenzwinkern betrachten die Filmfans diese kleinen Pannen. Gerade als Fan und dadurch intensiver Betrachter eines Filmes fallen solche Dinge dann und wann auf. Auch in den Filmen der Heimat-Reihe sind an manchen Stellen kleine Ausrutscher zu erkennen. Hier nun eine Auflistung der bereits bekannten Filmfehler.

Aber bitte: Dies soll nicht als Schmälerung der Präzision angesehen werden mit der Edgar Reitz seine Filmen erstellt. Es soll nicht der Meisterlichkeit der Werke widersprechen sondern eben auch den menschlichen Aspekt der Filmarbeit würdigen, nämlich das auch hier kleine Fehler enthalten sind, die den Filmgenuss für den wahren Fan (und nur ihm werden diese auffallen) um ein kleines Schmunzeln bereichern. Nicht alle hier aufgeführten Beispiele sind Fehler, manchmal sind die Beweggründe einer möglichen Inszenierung nicht sofort ersichtlicht.

Film: Die andere Heimat

Die Jahre rund um den Handlungszeitraum von DIE ANDERE HEIMAT waren geprägt von Armut und Hunger. Mißernten und die kleinen Flächen der Felder brachten den Bauern kaum Erträge. Auf die klimatischen Verhältnisse geht man im Film ein, aber scheinbar nicht auf die Feldgrößen. Sicherlich war es nicht möglich, die Bauern der Gegend dazu zu bewegen, ihre Felder kleinteilig zu bewirtschaften um den Eindruck kleinerer Flächen zu erwecken. feldgroesse2
Aber auch das "Filmfeld" der Simons fällt recht groß aus.

feldgroesse
Bei Landschaftsaufnahmen fallen immer wieder Traktorspuren auf den Feldern auf.
traktor1

Film: Die andere Heimat

Als Jakob seine Schwester an der Mosel besucht gibt es im Weinberg einen kleinen Altar bzw. Brunnen mit einer Marienfigur.
Die Ausstatter haben hierzu einen künstlichen Brunnen gebaut und darauf eine sogenannte Lourdes Madonna gestellt. Diese Darstellungsform der Mutter Jesu ist charakteristisch für Figuren, die zum Andenken der Erscheinung in Frankreich erstellt wurden und werden.
Allerdings spielt die Szene um das Jahr 1842 - die Erscheinung war aber erst 1858 und diese Figuren wurden erst viel später hergestellt.

lourdesVielen Dank an den Hinweis an Facebooknutzer Wilhelm Schuster.

Film: Die andere Heimat

Der Weg ins Dorf Schabbach führt über eine alte Brücke. Diese Brücke steht tatsächlich nur wenige Meter vom Drehort des Simonhauses in Gehlweiler entfernt. Auch das Haus, in dem die Innenaufnahmen gemacht wurden, steht tatsächlich unmittelbar an dieser Brücke. Leider wurde nicht beachtet, dass an dieser Brücke ein Metallrohr befestigt ist, dass ein Kabel schützt (vermutlich für die Straßenbeleuchtung o.ä.). Im Jahre 1842 wird es so etwas nicht gegeben haben.

Szenen, die auf dieser Brücke gedreht wurden, erhielten einen neuen Hintergrund per Computer. Einmal hinter den Waschfrauen, die unter der Brücke stehen, einmal hinter dem Beerdigungszug im Winter. Der wirkliche sichtbare Hintergrund war wohl zu modern und hätte gestört oder, wie im Fall der Winterszene, gab es einfach keinen Schnee in der Landschaft. Dazu wurden sogenannte Greenscreens aufgestellt, also Leinwände aus hellgrünem Stoff. Der Computer kann dann diese Farbe erkennen und durch ein Foto ersetzen.
Leider wurde hier nicht auf den Bildausschnitt oder Perspektive dieses Fotos geachtet. So sind aus beiden Blickrichtungen auf den Trauerzug die gleichen Hügel zu erkennen.



Bei Sommeraufnahmen wurde auf den Greenscreen verzichtet und die Landschaft ist wieder gänzlich anders.
bruecke

Film: Heimat
Episode: Film 1 - Fernweh / Film 3 - Weihnacht wie noch nie / Film 6 - Heimatfront / Film 11 - Das Fest der Lebenden und der Toten

Hier eine kleine Unstimmigkeit, auf die Eva Maria Schneider (Marie-Goot) und Wilhelm Schuster (via Facebook) aufmerksam gemacht haben.
Die Dorfbewohner sind evangelisch. Das lässt sich daran erkennen, dass der Dorfpfarrer die entsprechende Kleidung trägt (wie beim Einweihen des Denkmals).
evangelisch1
Sonntags besuchen die Wiegands, die Simons usw. die evangelische Messe in der Kirche.
evangelisch2
Als man Weihnachten die katholische Christmette besucht, ist die Familie wegen der ungewohnten Rituale begeistert und Lucie triumphiert:

Dagegen hängt in der guten Stube der Wiegands ein Weihwasserkessel neben der Tür. Nach Eva Maria Schneiders Aussage ein Ausstattungsfehler von Franz Bauer, der die Wiegands damit kurzerhand zu Katholiken machte. Allerdings nicht in den Weihnachtsszenen sondern wenn das Telefon zur Ferntrauung installiert ist. Wieso es nicht schon vorher da hing?
evangelisch3Als Maria beerdigt wird, ist ein katholischer Priester anwesend.
evangelisch4

 

Film: Heimat 3
Episode: Film 1 - Das glücklichste Volk der Welt (1989)


In HEIMAT 3 sind ein paar Filmfehler enthalten. Diese sind in der Hauptsache in der Ausstattung zu finden. Es muss erwähnt werden, das dieser Teil der Trilogie unter großen Schwierigkeiten entstanden ist (z.B. Einmischung der Fernsehanstalten in die Handlung; Reitz' Ehrgeiz, mit den bewilligten Mitteln mehr Erzählumfang zu realisieren als von den Anstalten erwartet - daher auch die gekürzte Version in der TV-Ausstrahlung usw.). Der Zeitdruck und Streß im Zusammenhang der Produktion mögen mögliche Ursachen dafür sein.

Zunächst die Originalszene:

Hermann und Clarissa haben gerade die geöffnete Grenze zur BRD durchfahren. Es ist nicht ganz klar ob sich die nachfolgende Szene in der direkten Gegend um die deutsch-deutsche Grenze spielt oder bereits im Hunsrück. Von daher kann man nicht klar sagen ob der VW-Jetta (korrektes Modell in 1989), der ein SIM-Kennzeichen (Kreis Simmern im Hunsrück) trägt, sich "zufällig" in der Handlung aufhält oder ob der reale Wagen zufällig beim Dreh der Szene auf einer Bundesstraße im Hunsrück zugegen war. Also zugebenen, kein echter Fehler wegen der fehlenden "Ortsangabe" der Handlung, aber schon auffallend, das hunsrücker Kennzeichen zwischen all den Trabis und Wartburgs zu sehen.

jettasim



Film: Heimat 3
Episode: Film 1 - Das glücklichste Volk der Welt (1989)


Einen Anachronismus gibt es in der folgende Szene, wenn auch nur ein paar Sekunden im Film:

Zu sehen sind Fahrzeuge, die es zur Zeit der Handlung noch nicht gab. Im Vordergrund sieht man einen Mercedes-LKW, vermutlich einen Pritschenwagen.  Das Modell, hier ein Foto aus Wikipedia in der Variante Kleinbus, ist ein Sprinter aus den Baujahren 1995 bis 2000. 1989 sahen die Mercedes-LKW nicht so aus. Ein korrektes Modell sieht man später in der Handlung, wenn Clarissa mit dem blauen Pritschenwagen der Simonwerke am Günderrodehaus vorfährt. Das zweite Auto, ein VW-Passat-Kombi passt in das Jahr 1989.
Das dritte Auto am Straßenrand ist ein Golf 3 Cabrio, Baujahr 1998 bis 2002. Hier ein Foto aus Wikipedia des Modells.
VW Golf IV Cabrio front 20080106

Film: Heimat 3
Episode: Film 1 - Das glücklichste Volk der Welt (1989)


In der folgenden Szene sind zahlreiche St. Martinsfeuer zu sehen. Allerdings ohne die dazugehörigen Menschen und für die kleine Fläche in hoher Anzahl und Dichte. Zugebenermaßen kann man dies hier nicht mit allzuviel Realismus beleuchten, zieht mein einen symbolisch-künstlerischen Aspekt der Inszenierung in Betracht.

Film: Heimat 3
Episode: Film 1 - Das glücklichste Volk der Welt (1989)


Hermann besucht sein Elternhaus in Schabbach.

Er kommt um die Straßenecke herum, die wir aus DIE ANDERE HEIMAT als Vorplatz der Kirche bzw. die Straße vor der Wirtschaft kennen. Zuerst sehen wir wieder ein Fahrzeug aus der Zukunft.
Toyota Corolla front 20081222 Foto: Wikipedia
Ein Toyota Corolla Compact, Baujahr 1997 bis 2000.

Film: Heimat 3
Episode: Film 1 - Das glücklichste Volk der Welt (1989)


Hermann betritt die Scheune und anschließend einen modernen Pferdestall. Gehen wir davon aus das er direkt an die Simonscheune angebaut ist. Dahinter dann ein Dressurplatz. Dieser Bildausschnitt passt aber nicht zur Geländeform hinter dem Haus (vgl. DIE ANDERE HEIMAT, HEIMAT). Ein Gegenschuß auf Hermann zeigt uns einen Misthaufen und ein Gebäudedach dahinter, das ebenfalls nicht dort sein kann.

Film: Heimat 3
Episode: Film 1 - Das glücklichste Volk der Welt (1989)


Hier nun ein Merkmal, auf das wir immer wieder von Fans bei Treffen etc. angesprochen werden. Wieso hat Ernst in HEIMAT 3 plötzlich wieder mehr Haare als in HEIMAT, obwohl der Handlungsstrang gerade einmal 7 Jahre vorher spielt. Der Unterschied ist schon direkt auffällig. Warum man nicht versucht hat, das äußere Erscheinungsbild dem Ursprünglichen anzupassen, ist nicht bekannt. Die Unterschiede in der Alterung des Gesichts ist sicher der Weiterentwicklung der Maskenbildnertechnik geschuldet. Vielleicht hat sich Ernst auch einer Haartransplantation unterzogen?

 Ernst2

Film: Heimat 3
Episode: Film 1 - Das glücklichste Volk der Welt (1989)


Hermann besucht Anton. Stolz präsentiert dieser seine Entwicklungsabteilung.


Man sieht allerlei optische Geräte und Materialien. Was nicht in eine solche Abteilung passt sind die Lötautomaten zum Herstellen von Platinen der Firma ERSA. Gedreht wurde in der Werkstatt der Firma TSP in Simmern.

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