Vom siebten Zwerg zum "Heimat"-Bürgermeister

Der Kreuznacher Johannes Lobewein spielt in der Fernsehserie mit

Fx. "Ei guck emo, des is doch der, der den Hitler gepielt hat." Johannes Lobewein muß schmunzeln, wenn er sich auf diese Weise wiedererkannt sieht. Seit er in der elfteiligen Fernsehserie "Heimat" mittwochs und sonntags als der politisch angepaßte, mit einem kleinen Hitler-Schnurrbärtchen ausstaffierte Bürgermeister Alois Wiegand auf dem Bildschirm zu sehen ist, wird er immer wieder auf der Straße angesprochen. Johannes Lobewein gehört neben Gertrud Bredel, die in der grandiosen Chronik eines Dorfes im Hunsrück die unvergeßliche Katharina Simon spielt, zu den beiden Hauptdarstellern aus Bad Kreuznach, die dem Filmepos von Edgar Reitz Konturen und Farbe geben.

Nicht nur von der Arbeit des Regisseurs Edgar Reitz ist Johannes Lobewein begeistert; auch das Können von Kameramann Gernot Roll schätzt der Bad Kreuznacher Schauspieler außerordentlich hoch ein: "Der hätte einen Bundesfilmpreis verdient."
Nicht minder lobend spricht sich Johannes Lobewein über seine Schauspielerkollegen aus. "Die Gertrud Bredel wird ja von Stück zu Stück besser. Es ist einfach erstaunlich, was die Frau leistet. Ich vergleiche sie immer mit der Filmschauspielerin Lina Carsten, die so oft mütterliche Rollen spielte."
Im Gegensatz zu den zahlreichen Laiendarstellern aus Schauspielgruppen zwischen Nahe und Hunsrück ist Johannes Lobewein ein Profi, der schon mehr als 30 Jahre auf Bühnenbrettern steht. Der gebürtige Planiger kann sich gut erinnern, daß er schon als kleiner Bub das Zeremonielle, das Dramatische liebte. Obwohl evangelisch, ließ er es sich nicht nehmen, in den Prozessionen der Katholiken als Fahnenträger bedeutungsvoll mitzumarschieren. Seine erste wirkliche Theaterrolle hatte er mit sieben Jahren. Er mimte in einer Märchenaufführung von Schneewittchen den siebten Zwerg und hatte dem Publikum seine Beobachtung im Hinblick auf die im Glassarg ruhende Königstochter mitzuteilen, die wie folgt lautete: "In ihrem Fingerlein hat sie ein Schnittchen."
Als Zwanzigjähriger auf der Bühne des Rheinhessischen Künstlertheaters in Ingelheim waren dann schon größere Worte gefragt. Er lernte später die Theater in Celle und Saarbrücken kennen, bevor er 1958 zum Neuen Theater nach Bad Kreuznach kam und hier unter dem Intendanten Roland Mühlenstein in vielen Rollen auf der Bühne.

Johannes Lobewein ging später mit Hans Clarin auf Tournee, arbeitete wieder in Saarbrücken, stand auf den Brettern der Städtischen Bühnen in Frankfurt, hatte sieben Jahre lang ein Engagement am Staatstheater Darmstadt und hat seit 1971 als Schauspieler bei den Städtischen Bühnen Mainz festen Boden unter den Füßen. Gerade in diesen Tagen hatte eine Shakespeare-Inszenierung - "Der Widerspenstigen Zähmung" - Premiere, und Johannes Lobewein spielt darin den Magister, der als verkleideter Edelmann herhalten muß.
Bevor ihn Mitarbeiter des Edgar-Reitz-Teams über Agenturen als Schauspieler mit Mundart-Kenntnissen aufstöberten, spielte er in stark auf Dialekt abgestellten Stücken wie "Die Kruschel von Mayntz" und "Sie könne es nit losse" von Robert Stromberger. Schon in den sechziger Jahren war er dabei, als Helmut Käutner in Bad Kreuznach den Film "Schwarzer Kies" drehte. Zählt Johannes Lobewein seine Mitwirkung in Fernsehfilmen zusammen, so kommt er auf die Zahl 20, inklusive der Rolle der Krimi-Serie "Ein Fall für zwei".
Das schönste und größte Ereignis, die Rolle, auf die jeder Schauspieler in seinem Leben wartet, ist für den Bad Kreuznacher aber die Mitwirkung in dem Film "Heimat". Von den Dreharbeiten zwischen Nahe und Rhein besitzt Johannes Lobewein nur die besten Erinnerungen. Über seine Rolle als Bürgermeister Alois Wiegand meint er: "Der Edgar Reitz hat sich den Bürgermeister genau so vorgestellt. Das schnelle Gehen das der an sich hat, das Schimpfen."
Auch in der achten und neunten Fernsehfolge wird Johannes Lobewein noch auf den Bildschirm zu sehen sein, und in der elften Folge sind dann alle Hunsrücker wieder vereint - im Himmel. Erfreulich, daß auch in diesen Sphären Bad Kreuznacher dabei sind.

Artikel in Oeffentlicher Anzeiger  vom 06.10.84
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