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Im Folgenden werden die Unterschiede in der Version von HEIMAT aus dem Jahr 1984 und der HEIMAT remastered-Version aus dem Jahr 2014 dargestellt. Wenn es sich anbietet werden Videobeispiele eingefügt (der Vollbildmodus der Videos wird empfohlen). Zum Vergleich wurde die DVD-Version von HEIMAT aus der Collection von StudioCanal und Digitalversion von HEIMAT remastered herangezogen (Aufgrund der Datenkomprimierung der Auflösung bei Youtube kann die hervorragende Bildqualität der remasterten Version nicht optimal dargestellt werden).

Edgar Reitz anlässlich des Fünf-Seen-Filmfestivals 2015 über HEIMAT remastered.

Der erste augenscheinliche Unterschied ist die digitale Auflösung der Filme. Die DVD-Version von HEIMAT wurde (wie die frühere VHS-Veröffentlichung) unter Verwendung der Sendebänder der Fernsehverwertung aus den 1980er Jahren hergestellt. Dementsprechend begrenzt ist die Auflösung dieser Version. Das Seitenverhältnis entspricht dem damaligen Fernsehformat 4:3. HEIMAT remastered wurde digital vom original 35mm-Material übernommen, Schäden und Schmutz wurde digital entfernt. Die Auflösung entspricht somit heutigen Sehgewohnheiten in Hochauflösung. Schwarz/weiß- und Farbfilmanteile sind gestochen scharf übernommen worden. Den Sepia-Effekt, den die Schwarz/weiß-Szenen der DVD-Version von HEIMAT aufweisen, findet man hier nicht. Das Format wurde in 16:9 geändert. Dies ist allerdings mit einer Einengung des Bildausschnittes erkauft, d.h. am oberen und unteren Rand des Bild des 4:3-Formates wurden Teile abgeschnitten. Dafür erhält man mehr in der Breite zu sehen.

Der erste Unterschied ist zu Beginn jedes Films zu erkennen. Das Intro (Vorspann) wurde umgearbeitet. Auf dem "Heimat-Stein" in der Urversion stand der eigentlich geplante Titel "Made in Germany". Der Titel Heimat erschien aus diesem und flog auf den Betrachter zu. Ein wilder Wolkenhimmel bildete den Hintergrund der Buchstaben. In der neuen Variante wurde in den Stein digital "Heimat" eingraviert. Auch dieser Schriftzug vergrößert sich im Laufe des Vorspanns. Der Wolkeneffekt wurde deutlich verlangsamt. Wo es noch damals hieß "Heimat, Eine Chronik in elf Teilen von Edgar Reitz" bekommt die remasterte Version den Untertitel "Eine deutsche Chronik". Dies ist auch konsequent, denn die 11 Teile resultieren aus der Aufteilung für das Fernsehen, wohingegen HEIMAT remastered eine Kinoversion darstellt. Während man in den 80er Jahren noch die beiden Drehbuchautoren Edgar Reitz und Peter Steinbach im Vorspann nannte, fällt diese Nennung aktuell weg.

Der Abspann jedes Films entspricht dem der 1984-Version. Bis auf zwei Ausnahmen. Damals nannte man noch den Kameratyp "ARRIFLEX" und die Firma der Videoeffekte "ARRI VIDEO". Beides ist entfallen.
abspann1

Desweiteren wurde die Reihenfolge geändert:
1984: Redaktion, dann Regie.
2014: Drehbuch, dann Redaktion, danach Regie.

1984: hergestellt von EDGAR REITZ Filmproduktionsgesellschaft mbH
München
in Coproduktion mit dem SFB und dem WDR

2014: hergestellt von EDGAR REITZ Filmproduktion GmbH
München

Kinoversion remastered
Edgar Reitz Filmstiftung

Zunächst fällt auf das die Nummerierung der Filme entfernt wurde. In diesem Fall die "1" vor dem Filmtitel. Dies ist bei allen Filmen der remasterten Version so, daher wird das in den folgenden Auflistungen nicht mehr thematisiert.
An Filmstelle 49:11 wurde die Überblendung entfernt. Paul taucht in der nächsten Szene nach einem harten Schnitt auf, nachdem er sich von Appollonia am Deutschen Eck in Koblenz verabschiedet hat. In Filmminute 51 wurde der Himmel beim Blick aus dem Zug in Schwarz/weiß statt wie damals in Farbe geändert. Ein harter Schnitt statt einer weichen Überblendung gibt es in der Schmiedeszene bei 1:54:00. Am Ende dieser Szene wurde die Farbe beim Lichteinfall durch das Schmiedefenster entfernt.

Zu Beginn, nachdem von Glasischs Fototisch zum Picknick übergeblendet wurde, kann man erkennen, dass in der neuen Version der Film deutlich langsamer läuft (Auslöserschnur). Dies vermittelt den Eindruck tatsächlich ein Foto zu betrachten.
Später färbt Katharina mit den beiden Kindern Anton und Ernst mitten im Jahr Ostereier. In der ursprünglichen Version ist die Szene, in der sie die Eier auf das Fensterbrett stellt komplett farbig, neu jetzt nur noch die Eier.
In Minute 23:57 gibt es einen harten Schnitt statt der Überblendung, wenn der Betrachter aus Katharinas Traum in deren Schlafzimmer blickt.
Die Datumsangabe zum Marsch der Nazis durch Simmern (30. Januar 1933) wird dem Zuschauer in der Neu-Version vorenthalten.
Zuletzt wurde in der 84er-Version die Schrift des Abspanns mit einer dunklen Kontur versehen (wohl zur besseren Lesbarkeit), in der aktuellen Version kommt das nicht vor.

Nach der Szene, als Lucie mit ihrem Edu den Grundstein für ihre Villa legt, folgt in der neuen Version ein harter Schnitt. Damals wurde weich übergeblendet.
Das Kapitel 3 wurde ursprünglich in zwei Filme aufgeteilt. Nun sind sie zusammengefügt. Glasischs Rekapitulation des letzten Films wurde gekürzt an die letzte Szene geheftet.
Nach dem Kinobesuch betrachtet die beschwipste Maria die neuen Ringe im Angebot der Kröbers. Hier wurde in der remasterten Version die ursprünglich in Schwarz/weiß gefilmten Ringe farbig nachbearbeitet. Die Rubinsteine der Augen mancher Ringe treten leuchtend rot hervor.
Als Anton vom Fotografieren von der Baustelle der Reichshöhenstraße kommt und in seiner Dunkelkammer verschwindet, ursprünglich farbig gefilmt, wird der Raum jetzt erst dann rot erleuchtet, wenn er das Raumlicht ausschaltet. Hier wurde der Leuchteffekt der Rotlichtlampe aus der Vorlage sehr eindrucksvoll unterdrückt. Man hat den Eindruck, sie leuchtet noch nicht.
Otto und Pieritz vermessen auf dem Feld, wo die Familie Simon arbeitet. Hier wurden die Sichteinschränkung des Theodoliten nicht übernommen. Eine Ausnahme gibt es jedoch. In der neuen Fassung wird dieser Effekt doch verwendet, als die Familie komplett zu sehen ist. Warum dies so ist ist nicht ersichtlich.
Die Schabbacher besuchen ein Rennen auf dem Nürburgring. In der ursprünglichen Fassung wurde weich zur Villa geblendet, jetzt hart geschnitten.

Als der Brief von Paul in Schabbach ankommt wurde in der Urversion die Szene mit dem Postfahrrad komplett in Farbe gefilmt. Durch die digitale Bearbeitung konnte nur das Rot des Rahmens leuchtend in eine ansonsten schwarz-weiße Szene montiert werden.
Als der Postbote bei dem Simons ankommt wird die Schmiede statt in Farbe nun in Schwarz-Weiß gezeigt. Nur die Funken, die entstehen als Mathias das Eisen schlägt sind glühend bunt.
Anschließend eine Besonderheit. Bisher wurden Teile einer bunten Szenen entfärbt. Hier zum ersten Mal anders herum. Als Mathias am Amboss gezeigt wird, ist das verdrehte Material Schwarz-Weiß. Nun wurde das glühende Eisen digital eingefärbt und leuchtet in der Szene.
Maria und Anton fahren nach Hamburg um Paul am Schiff abzuholen. In der 84er-Version erfährt der Zuschauer das Datum. Die Digital-Seher werden nicht mehr informiert.
Ernst hört Hitlers Radioansprache zum Kriegsausbruch bei der Flieger-HJ auf der Wasserkuppe. Das die Rede am 1. September gehalten wurde ist bekannt, aber auch diesmal wird bei der Digitalversion auf eine Einblendung verzichtet.
Hiter spricht von persönlichen Opfern, die er einzugehen bereit ist. Im Bild ein Soldatendenkmal mit der Inschrift "Opfer müssen gebracht werden". Durch das neue Bildformat und den damit abgeschnittenen unteren Bildausschnitt ist nun nur noch "Opfer" zu lesen.
Auch diesmal wieder ein Zusammenschnitt zweier Episoden aus der ursprünglichen 11er-Aufteilung. Die Digitalversion steigt in "Glasischs Fotorevue" erst später ein.
Maria holt ihre baldige Schwiegertochter vom Bahnhof ab. Unterwegs denkt Martha an Anton in Russland. Zu dieser Sequenz wird nun früher geblendet, wahrscheinlich weil nun die Szene nebeliger gestaltet ist und die Vorlage auch unscharf blendet.
Was sollte man unbedingt hervorheben, wenn man die Möglichkeit hat, Farbanteile hervorzuheben und zu andere zu reduzieren? Natürlich die Szene, in der Ernst die Blumen auf die Hochzeitsgesellschaft im verschneiten Schabbach abwirft. Alles wird Schwarz-Weiß, bis auf die leuchtend roten Blüten. Als man Martha die Blumen gibt wurde in den 80ern von Schwarz-Weiß in Farbe überblendet. Der Effekt von damals wurde entfernt.

Betrachtet man die Anzahl der Änderungen in den vorangegangenen Kapiteln ist in der 5. Aufteilung nur sehr wenig geändert worden.
Als Anton Zeuge einer Erschießung im russischen Wald wird, wurde die Szene, in der die MG-Stellung zu sehen ist, entfärbt.
In den bisherigen Zusammenschnitten kam Glasischs Fotosammlung zum Einsatz. Diesmal wurde darauf verzichtet und direkt in das umkämpfte Berlin geblendet.
Als Martina sich vor einer Explosion in Deckung bringt wurde aus der farbigen Aufnahme des Einschlags eine Schwarz-weiße.
Im Haus findet sie den verwundeten Pollack vor. Sie zieht ihn vom Fenster weg. Die ehemals farbige Aufnahme wurde entfärbt, lediglich das Blut auf dem Boden blieb rot.
Paul kommt nach Schabbach. Da muss Lucie natürlich hin. Die US-Fahne am Fasanenhut leuchtete 1984 vor buntem Hintergrund. Digital bearbeitet verliert dieser die Farbe und nur Hut und Fähnchen bleiben farbenfroh.

Auch im Kapitel 6 "Hermännchen" wurde nur sehr behutsam verändert.
Hermännchen ist auf der Kirmes an der Mosel und von Schnüsschens Aufdringlichkeit enttäuscht. Sie Szene wurde in den 80ern weich geblendet, digital erfolgt ein harter Schnitt.
Das erotische Abenteuer mit den beiden Frauen endete 1984 mit einer weichen Blende in den Sonnenaufgang. Nun wird hart geschnitten. Außerdem ist die Szene heute schwarz-weiß, mit der aufgehenden Sonne färbt sich auch das Bild farbig.
Als sich Klärchen und Hermann heimlich treffen und im Zelt den Regen abwarten blickt man nun aus einem "farbigen" Zelt in eine schwarz-weiße Umgebung. Früher war alles in s/w zu sehen. Am Ende der Zeltsequenz wurde von Klärchens Gesicht weich in den Landschaftsschwenk geblendet, heute harter Schnitt. Außerdem ist nun der Übergang etwas später und der Film ist mit der 84er Version außer Takt geraten.

Die meisten Umgestaltungen findet man im letzten, dem siebten Kapitel.

Die Kaufinteressenten für Antons Firma verirren sich im Wald. Die beiden französisch sprechende Fahrer unterhalten sich. In der neuen Version erfahren auch die Zuschauer, die nicht der Sprache kundig sind, durch Untertitel deren Unterhaltung.
In Antons Wohnzimmer ist die Familie am Fernseher versammelt und schaut sich die Umstellung auf Farbfernsehen durch Kanzler Willy Brandt an. In den 80er Jahren wurde eine Art Rahmen eingefügt, der die Mattscheibe darstellen soll. Nun ist scheinbar Originalmaterial ohne Effekte verwendet, allerdings in sehr viel schlechterer Qualität als damals.
Als Hermann vom Friedhof kommt (hier hat er die Gräber der Familie besucht) geht er durch den Ort in Richtung Kirmesplatz. Dieser Gang mit seinen Begegnungen wurde entfernt. So erfährt man nicht, das das Haus der Wiegands nun eine Ferienwohnung ist.
Anton nagelt die Haustür des Simonhauses zu um es vor Plünderung durch Ernst's Angestellten zu schützen. Diese Sequenz wurde gekürzt. In der neuen Version steht Hermann plötzlich an der Schmiede hinter ihm.
Im Gästezimmer in Antons Haus liegt Paul mit einer Erkältung im Bett. Hermann besucht ihn. Ein Teil des Gesprächs der beiden über die Erinnerung an Maria fiel weg. Auch die Tatsache, das die beiden Freundinnen sich von Hermann getrennt haben, erfährt der Zuschauer nicht. Dadurch entfiel auch der Logikfehler, das er mit "Katrin seit 1968 zusammen sei". Das passte nicht in die Geschichte, die wir aus DIE ZWEITE HEIMAT kennen.
Ernst kommt zum Simonhaus und findet die Tür vernagelt vor. In der neuen Version sehen wir nicht mehr, das er die Kaninchen füttert und wie er um das Haus herumgeht um ins Küchenfenster zu steigen.
Als Anton seine Mutter besuchen will und sie nicht da ist, sieht man einen Schwenk über die Fassade des Hauses. Damals bunt, heute s/w.
In der Rückblende sehen wir Marias 70. Geburtstag. Aber in der Digitalversion wird keine "Wutz" mehr "geschlacht', die Sau", kein Opa macht einen Handstand und auch Lucies Geständnis, Eduard in einem Bordell kennengelernt zu haben, ist der Schere zum Opfer gefallen.
Auf der Kirmes gibt es nun kein Gespräch mehr zwischen den Lauzenhausener Prostituierten. Zwar tauchen sie später noch im Arm von Anton auf, aber man erfährt nun nichts mehr von deren Tätigkeiten im Hunsrück. Generell ist viel der Kirmes weggefallen. In der neuen Version wird eine Polonäsensequenz, die eigentlich früher gezeigt wird, später montiert.
Hermann erzählt vom Atombunker in der Eifel, wo er im Ernstfall einen riesigen kulturellen Bedarf sieht. Der Bunker kommt später in der Digitalversion zur Sprache, aber der Zuschauer bleibt ratlos zurück, wenn er die Ursprungsversion nicht kennt.
Ernsts Liebeserklärung an Irene ist kürzer als früher.
Der Dorfsaal ist abgeschlossen, Glasisch schlägt der Dorfjugend vor, den Hintereingang zu benutzen und erntet nur Spott. Das ist entfallen und ohne die Information sieht man ihn jetzt ohne Motivation gegen die Wand laufen.
Hermann lässt sich den Stollen unter dem Ort Schabbach zeigen. Hier erkennt er die Vorzüge der Akustik. In der neuen Version ist das entfallen. Und damit auch ein Logikfehler. Eigentlich sollte er als "Schabbacher Jung" den Ort kennen, denn er war bereits mit Klärchen in diesem Stollen und wahrscheinlich auch schon früher (im Off).
Leider entfällt auch die Romanze zwischen ihm und seiner Nichte. Die kleine Anspielung in HEIMAT 3 bei der Begegnung beider ist damit nicht mehr entschlüsselbar.
Zu guter Letzt gibt es noch eine ausgetauschte Blende, als man Anton mit dem Hörsturz findet. Früher weiche Blende, heute harter Schnitt.

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