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Edgar Reitz: Zeitkino

Edgar Reitz: Zeitkino

288 Seiten, Br, Abb.
ISBN 978-3-940384-66-9

Leseprobe: Link

Edgar Reitz, aktuell mit dem Deutschen Filmpreis für DIE ANDERE HEIMAT geehrt, gehört zu den Begründern des Neuen Deutschen Films und war unter den Unterzeichnern des Oberhausener Manifests vielleicht der genuinste Filmemacher. Er realisierte in den frühen 60er Jahren zahlreiche Kurzfilme, darunter ein Meisterwerk wie GESCHWINDIGKEIT, sowie zahlreiche Industrie- und Werbefilme, die es dem Autodidakten ermöglichten, zu experimentieren und sich das filmische Handwerk von Grund auf anzueignen. In Alexander Kluges ABSCHIED VON GESTERN gelangen ihm als Kameramann ikonische Einstellungen, und sein erster Langfilm MAHLZEITEN besticht noch heute durch eine den Plot furios fragmentierende Montage. In den 70er Jahren entwickelte sich Reitz weg von einer Ästhetik des Fragments hin zu einem Erzählkino von epischen Ausmaßen: »Wirklich zu mir selbst gefunden habe ich erst in HEIMAT. Da entdeckte ich in mir das Geheimnis des Narrativen. Bis dahin war ich ein Anti-Erzähler.« Das HEIMATProjekt, mit dem Reitz auch international der Durchbruch gelang, ist inzwischen zu vier großen Zyklen angewachsen, die 150 Jahre deutsche Geschichte aus der Mikroperspektive der eigenen Lebens- und Familiengeschichte vergegenwärtigen und zu einem eigenen Erzählkosmos verdichten, der im Medium filmischer Erinnerung kollektive Erfahrungen aufruft und assoziativ miteinander verknüpft. Soziale Synapsen zu bilden, darin liegt für Edgar Reitz die eigentliche Bedeutung der Filmkunst – und vor allem seines eigenen »Zeitkinos«.
Der vorliegende Band versammelt Texte – Essays, Interviews, Bruchstücke – aus fünf Jahrzehnten, viele werden erstmals publiziert. Texte, in denen der Regisseur Einblicke in sein Leben, sein Verständnis des Autorenfilms, seine Arbeitsweise und die Entstehungsprozesse einzelner Filme gewährt, in denen er analoge und digitale Produktionstechniken, den kinematographischen Raum und Verfahren der Bildgestaltung auf bislang ungenutzte Möglichkeiten hinbefragt – immer mit Blick auf die fiktionale Kraft eines Mediums, dessen eigentliche Zukunft erst noch bevorsteht.

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